Was ist ein Hirninfarkt ?
Infolge einer Mangeldurchblutung des Gehirns (H irnischämie, Hi rndurchblutungsstörung) kommt es beim Hirninfarkt zu einer Parenchymnekrose (= örtlicher Gewebstod) des Gehirns.
Man unterscheidet zwei Hirninfarkt-Typen:
Ein kompletter Hirninfarkt wird meist durch einen thrombotischen (= durch einen Blutpfropf
verursachten)
oder embolischen (= durch über die Blutbahn verschlepptes
Material, z.B. Zellhaufen, kleine Blutgerinnsel, verursachten) Gefäßverschluß
verursacht. Der embolische Gefäßverschluß ist oft auf ein Vorhofflimmern
(= eine Herzrhythmusstörung) zurückzuführen.
Der inkomplette Hirninfarkt ist häufig Folge einer höhergradigen
Arteriosklerose (= Schlagaderverkalkung),
begünstigt durch hohen
Blutdruck, Diabetes oder erhöhte Blutfette.
Bei einem Hirninfarkt unterscheidet man je nach Ausmaß verschiedene Hirninfarkt-Typen:
Nicht selten verbleiben nach einem Hirninfarkt
(alle Typen betreffend, seltener jedoch Typ 1-2) heftige Schmerzen
in der herdgekreuzten Körperhälfte, oft vorwiegend im
Ar m (ähnlich einer Brachialg ie) und
Be in. Die vorzugsweise brennenden
Dauerschmerzen können sich attackenartig verstärken. Teilweise liegt eine
Al lodynie (= Schmerzauslösung durch an sich nicht
schmerzhafte Reize) vor. Fast regelmäßig besteht eine Hyperpath ie (=
verzögerte Reizantwort, der Schmerz hält über Reizzeit hinaus an bei
insgesamt erhöhter Reizschwelle).
Ursächlich für diese Schmerzen sind Läsionen (= Störungen, Schädigungen)
in schmerzkontrollierenden Arealen des zentralen Nervensystems (Tha lamus) (Pagni
1985).
Man bezeichnet deshalb diese zentralen (= im Gehirn
entstehenden) Schmerzen als Thalamusschmerzen.
Bei der neurologischen Untersuchung
findet sich bei Hirninfarkt-Patienten eine
Hemiparese
(= Halbseitenlähmung) mit
meist guter Rückbildungstendenz. Motorische (= die
Muskelkraft betreffende) Störungen (Chorea, Athetose) kommen vor,
ebenso die sogenannte Tha lamushand nach Poeck (die Fi
nger sind im
Grundgelenk gebeugt und in den Interphalangealgelenken (=
Mittelgelenke) überstreckt, sie zeigen eine Bewegungsunruhe; die
Fehlstellung gleicht sich beim Auflegen der Han d auf eine feste Unterlage aus)
und eine meist gering ausgeprägte Ataxie (= funktionelle
Störung der Bewegungsabläufe).
Der Nachweis der zugrunde liegenden
Störung oder Schädigung ist beim Hirninfarkt durch Computertomographie, Angiographie (=
Gefäßdarstellung mit Röntgenstrahlen) und Kernspintomographie
möglich.
Einseitige Schmerzen nach einem Hirninfarkt stellen ein therapeutisches Problem dar. Häufiger wird diesen Patienten gesagt, sie müßten mit ihren Schmerzen leben, weil es keine Behandlung gäbe. Unsere Erfahrungen und Erfolge widerlegen diese allgemeine Aussage.
Die Behandlung der Thalamusschmerzen nach einem Hirninfarkt:
Medikamentös kann bei Schmerzen nach einem Hirninfarkt Carbamazepin (z.B. Tegretal®) (=
ein Mittel gegen die Fallsucht, aber auch bei bestimmten Schmerzen wirksam)
in aufsteigender Dosierung bis zu 1500mg /Tag versucht werden (Swerdlow
1984). Gabapentin (Neurontin®) oder Pregabalin (Lyrica®) wirkt oft besser. Phenytoin (z.B. Epanutin®) soll ebenfalls schmerzlindernd sein (Cantor
1972). Teilweise sahen wir auch mit Baclofen (z.B. Lioresal®)
(= ein im Rückenmark / Gehirn wirkendes Mittel zur Muskelentspannung)
eine günstige Wirkung. Ansonsten bleibt oft nur die Verschreibung von
Opiaten (=
opiumähnliche Mittel).
Als schmerzdistanzierende Psychopharmaka
bevorzugen wir Doxepin (z.B. Aponal®) oder Maprotilin (z.B. Ludiomil®).
Amitriptylin (z.B. Saroten®) soll ebenfalls wirksam sein (Koppel 1986).
Teilweise können mit der therapeutischen Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) bei Schmerzen nach einem Hirninfarkt beachtliche Erfolge erzielt werden. Nach Austestung mittels diagnostischer Blockaden (Betäubungen) werden im Extremitätenbereich (= Ar me und Bei ne) wiederholte Plexus brachialis-, N. femoralis- und/oder Ischiadikusblockaden durchgeführt, oft sind sie längerfristig nur in der kontinuierlichen Form mit Katheter (= eingepflanztem dünnen Kunststoffschlauch) (*siehe unten) erfolgreich. Bei Mitbeteiligung des Gesichtes kommen wiederholte Blockaden der betroffenen Trigeminusäste in Frage.
Angesichts eines "zentralen Schmerzes" (=
Schmerz, der im Rückenmark / Gehirn entsteht) erscheint die
Durchführung von Nervenblockaden nach einem Hirninfarkt zugegebenermaßen paradox. Wir haben jedoch
festgestellt, daß bei ca. 40-50% der betroffenen Patienten diese Therapie
tatsächlich anspricht und zu einer Schmerzlinderung führt. Möglicherweise
wird durch die zentrale Läsion (= Störung/Schädigung)
teilweise ein peripheres (= mehr oberflächliches, nicht im
Gehirn oder Rückenmark vorliegendes) Schmerzsyndrom herbeigeführt,
vielleicht indem neurobiologische Mechanismen der Perzeption
(= Empfindung, Wahrnehmung) durch das efferente sympathische System (=
weggeleitete Erregungen im unwillkürlichen Nervensystem) mehr oder
weniger ausgeprägt aktiviert werden.
Für eine Beteiligung des sympathischen
Systems sprechen auch die Berichte von Loh et al. (1980) und Nathan
(1980), wonach Schmerzen in Ar me und Be ine nach einer Störung/Schädigung des
Zentralnervensystems (= Rückenmark und Gehirn)
durch Sympath ikusblockaden beseitigt oder gelindert werden können. Da die
Nervenstämme (besonders Plexus brachialis (= Nervengeflecht
des Armes)) auch vegetative, sympathische Fasern mit sich führen,
kann eine solche Wirkung postuliert werden.
Weitere Maßnahmen bei Thalamusschmerzen
nach einem Hirninfarkt, bzw. bei einem
zentralen Schmerzsyndrom:
Die Transkutane
Nervenstimulation (TENS) kann ebenfalls Schmerzlinderung herbeiführen. Laitinen
(1976) beschreibt Erfolge mit der kontralateralen (= nicht
schmerzhaften Gegenseite) Anwendung.
Gemessen an der
Nutzen-Risiko-Relation erscheint die elektrische Reizung der thalamischen
Region mittels implantierter Elektroden vertretbar (Fields et Adams
1974).
Stereotaktische Eingriffe (= Operationen mit einem
computergesteuerten Zielgerät) dürften wohl bei Zustand nach
Hirninfarkt nur in Ausnahmefällen
zur Anwendung kommen.
Da viele Patienten nach einem Hirninfarkt
in der Phase der
Schmerztherapie noch Restzustände einer Hemipa rese
(= Halbsei tenlähmung)
aufweisen, sollten im Sinne einer Rehabilitation
begleitend Heilgymnastik und physikalische Therapiemaßnahmen verordnet werden,
ebenso Ergotherapie zur Funktionsverbesserung.
* Methodenbeschreibungen
Folgende Katheterblockaden wurden in unserer Schmerzklinik entwickelt und werden seit vielen Jahren mit hoher Treffsicherheit routinemäßig zur Schmerzbehandlung angewendet:
Die kontinuierliche Blockade des
Plexus brachial is (= Armnervengeflecht)
mit Katheter:
Bei dieser Methode wird im Bereich der Innenseite des Oberarmes,
nahe der Achselhöhle in örtlicher Betäubung der Armnerv mit einer Kanüle
aufgesucht. Dann wird durch diese Kanüle hindurch ein dünner Kunststoffschlauch
in die Nervenscheide (den Nerv umhüllendes Gewebe) eingeführt und nach oben, zur
Schulter hin, vorgeschoben. In den nächsten 2-3 Wochen wird der
Kunststoffschlauch mehrmals täglich (bei Bedarf auch nachts) mit einem örtlichen
Betäubungsmittel aufgefüllt. Die Konzentration des Wirkstoffes wird so gewählt,
daß die aktive Beweglichkeit erhalten bleibt, die Schmerzempfindlichkeit jedoch
deutlich herabgesetzt oder aufgehoben ist. Während der Behandlung wird die Schul ter-/Ar m-Region deutlich besser durchblutet. Im Stadium der deutlichen
Schmerzlinderung oder Schmerzfreiheit kann dann intensiv und vor allem sinnvoll
krankengymnastisch behandelt werden (besonders wichtig nach einem Hirninfarkt).
Nervus femoralis (vorderer
Oberschenkelnerv): Bei dieser Methode suchen wir von der Vorderseite des
Oberschenkels her, handbreit unterhalb des Leistenbandes mit einer Kanüle in der
Tiefe den Oberschenkelnerv auf und legen in die Nervenscheide (Gewebsumhüllung
des Nerven) einen dünnen Kunststoffschlauch (Katheter) ein. In den nächsten 2-3
Wochen spritzen wir dann mehrmals täglich eine verdünnte örtliche Betäubungsmittellösung ein. Dabei wählen wir die Konzentration des Wirkstoffes
so, daß die grobe Kraft und damit die Beweglichkeit erhalten bleibt, aber die
Schmerzempfindlichkeit deutlich herabgesetzt oder gar aufgehoben ist. Begleitend
können dann bei Patienten nach einer Apoplexia cerebri die dringend
notwendigen krankengymnastischen Übungsbehandlungen durchgeführt werden.
Gegen Schmerzen im Hüft- und
Leistenbereich kann vorgenannte Methode verändert angewendet werden (der sog.
3 in 1-Block oder die Plexus lumbalis-Blockade): Wenn man die Menge
der örtlichen Betäubungsmittellösung erhöht (ca. 25-35 ml) und während des
Einspritzens den Oberschen kel abstaut, wird die Wirkstofflösung nach oben
getrieben (innerhalb der Nervenscheide) und betäubt weitere Nerven, die die
genannten Körpergebiete versorgen.
N. ischiadicus: Bei dieser Methode suchen wir von der Oberschenkelrückseite her, handbreit unter dem Gesäß, den Ischiasnerv in der Tiefe mit einer Kanüle auf und legen einen dünnen Kunststoffschlauch in die zugehörige Nervenscheide (Gewebsumhüllung) ein. In den folgenden 2-3 Wochen wird dann in diesen Schlauch mehrmals täglich eine verdünnte, örtliche Betäubungsmittellösung eingespritzt. Je nach Wirkstoffkonzentration kommt es dann im Versorgungsgebiet des Nerven zu einer Verminderung der Schmerzempfindlichkeit bis hin zur Schmerzfreiheit.
Hier gelangen Sie zu einer Datei, die sich mit der Hirninfarkt - Vorbeugung befaßt.
Falls der Hirninfarkt bereits eingetreten ist und eine qualifizierte Frührehabilitation notwendig ist: Klinik Westend, Bad Wildungen
Falls Sie nach dem Hirninfarkt eine weiterführende Rehabilitation suchen: www.sch laganfall-rehabilitation.de oder www.hi rn-infarkt.de/schlaganfal l
A
Achillobursitis,
Achillodynie,
Achillessehnenentzündung,
Adoleszentenkyphose,
Algodystrophie-Syndrom,
Algogenes Psychosyndrom,
Algurie,
alkoholische Polyneuropathie,
Amputation,
Analgetikakopfschmerz,
Anfall bei
Migräne,
anhaltende somatoforme Schmerzstörung,
ankylosierende Spondylitis,
Armschmerz,
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Arthrosen,
Arthrose im Knie,
Arthrose (in) der Schulter,
Attacke bei
Migräne, Auriculotemporalis-Syndrom,
Atypischer Gesichtsschmerz,
Aurikulotemporales Syndrom,
B
Baastrup,
Bandscheibenschmerz,
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Basilarismigräne,
Bechterew,
Beckenschmerz,
Behandlung bei
Krebsschmerz,
Behandlung bei Kopfschmerzen,
Beine-offene,
Beingeschwür,
Beingeschwüre,
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Verschlußkrankheit-arterielle,
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W
Wadenkrampf (www.wadenkrampf.org),
Wadenkrämpfe (www.wadenkraempfe.com),
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Weichteilrheuma
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Wirbelsäulenverbiegung,
Wirbelsäulenverkrümmung
(www.wirbelsaeulenverkruemmung.de)
Z
Zeckenbiß (www.nervenschaeden.de/zeckenbiss),
Zeckenborreliose (www.zeckenborreliose.de),
zervikaler Bandscheibenvorfall,
chronisches Zervikal-Syndrom,
Zervikobrachialsyndrom,
Zervikogener Kopfschmerz,
Zervikozephalgie,
Zosterneuralgie (www.brennschmerzen.de/zosterneuralgie),
Zu Schmerzthemen, die Körperbereiche oder Organe betreffen, gelangen Sie
Zu allgemeinen und therapiebezogenen Schmerzthemen gelangen Sie
Links zu empfehlenswerten Einrichtungen:
www.norderney-insel-hotel.de/norderney-hotel
www.norderney-insel-hotel.de
Schmerzklinik:
www.schmerzklinik-1.de